Geheim! – Das eiserne Problem des Sozialismus

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Geheim! – Das eiserne Problem des Sozialismus

Ukrainisches Erz zum hohen Preis


EUR 29,80
inkl. Mwst
auf Lager

2009
516 Seiten

ISBN 978-3-937895-72-7


48 Fotos farbig, 1 Karte farbig, 336 Fotos s/w, 20 Zeichnungen s/w, 29 Abbildungen s/w, 51 Tabellen s/w

Format: 26,4 x 21 cm

Dieses Buch
Viel verausgabte Mühe ohne greifbares Ergebnis – wenn wir in unserem Buch über das BAK Kriwoi Rog berichten, können wir nicht das vermelden, was man nach fast siebenjähriger Bautätigkeit gern stolz verkündet hätte. Viele Tausende Beteiligte aus fünf Ländern – angefangen von Ministern und Direktoren über Bauarbeiter, Monteure, Ingenieure, Arbeiter in den Zulieferbetrieben, Kraftfahrer, Büroangestellte, Vermesser, Dolmetscher bis hin zu Köchen, Wachmännern und Dienstleistungspersonal … – haben viel Energie in dieses Werk gesteckt, mancher hat seine Kraft voll verausgabt, einigen unserer Kollegen hat diese Arbeit selbst das Leben gekostet. All die Mühen führten bis heute nicht zum Ziel. Aber trotzdem sind viele interessante Fakten und Geschehnisse zu berichten.
Da ist natürlich das Kombinat selbst vorzustellen – seine Zweckbestimmung, seine Dimensionen und die von uns und unseren Kollegen errichteten Bauobjekte. Neben der Herausforderung durch die Größe und Kompliziert­heit der damaligen Aufgabe erinnern sich die meisten von uns gern an die Zusammenarbeit mit den Bauarbeiter­kollegen aus fünf Ländern und an die Begegnungen mit den Menschen der Sowjetunion und speziell der Ukraine.
Die Realisierung des Vorhabens fiel in eine bewegte Zeit – die Zeit der Perestroika, der politischen Wende und der Krise in Osteuropa. Die Menschen, die auf der Baustelle des BAK Kriwoi Rog und in den Zulieferbetrieben arbeiteten, durchlebten diese Zeit mit unterschiedlichen Hoffnungen und Enttäuschungen, jeder nahm sie auf seine Weise wahr. Die geschichtlichen Prozesse dieser Zeit führten erst zum Start dieses Vorhabens und schließlich zum Abbruch der Bauarbeiten und zur Entwertung der Arbeit Zehntausender Menschen. Das Nachdenken über diese Zeitereignisse macht einen wesentlichen Teil dieses Buches aus. Die Beteiligten versuchten, Antworten zu finden auf die wesentlichen Fragen des Vorhabens:
Wie kam es zu dem Vorhaben »BAK«? Das Vorhaben galt – für sich allein betrachtet – unter den mehr oder weni­ger Eingeweihten als wirtschaftlich ungerechtfertigt, wenn nicht als sinnlos – warum wurde es trotzdem in Angriff genommen? Hatte das Vorhaben überhaupt eine Berechtigung? Wie wurde das Vorhaben realisiert in einer Zeit der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der DDR, der UdSSR und der anderen sozialistischen Länder? Das Vorhaben war deklariert als Integrationsvorhaben des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW), der zum Zeitpunkt des Vorhabensstarts dreieinhalb Jahrzehnte bestand – wie gestaltete sich der Rahmen der Realisierung des Vorhabens? Wie wirkten die Reformprozesse der Perestroika auf das Vorhaben ein? Wie die politische Wende in Osteuropa? Unter welchen Bedingungen wurde das Projekt nach der Vereinigung der deutschen Teilstaaten weitergeführt? Die deutsche Beteiligung am Vorhaben wurde in Sommer 1992 durch die Bundesregierung einge­stellt – war der Abbruch gerechtfertigt?
Am Buch mitgeschrieben haben frühere Beteiligte mit einer unterschiedlichen Perspektive auf das Vorhaben – Arbeiter, Angestellte und Ingenieure von der Baustelle und von Zulieferbetrieben, frühere Direktoren und Verant­wortliche aus zentralen Leitungsgremien – Männer und Frauen – Ostdeutsche und Westdeutsche, Ukrainer und Tschechen. Vorgegeben war ihnen lediglich die Verantwortlichkeit für den eigenen Text und die realitäts­­-treue Darstellung der Fakten; die Wertung der Dinge stand jedem frei. Durch ihre unterschiedlichen Einblicke in die Hintergründe des Vorhabens und ihre verschiedenen Sichtweisen ergeben sich Berichte verschiedener Bandbreite und auch konträre Aussagen.
Viele der früheren Baubeteiligten haben seit Abschluss ihres Einsatzes nichts mehr vom BAK Kriwoi Rog gehört. So wollen wir hier auch Antwort geben auf die Fragen: Wie ging es nach dem deutschen Baustopp weiter auf der Baustelle? Wie steht es heute um das BAK Kriwoi Rog? Hat es eine Perspektive?
Zwei Anmerkungen seien vorausgeschickt. Trotz des Umfangs des Buches konnten wir nicht alle besonders bemerkenswerten und ungewöhnlichen Dinge aufschreiben; viele große Leistungen, die bei der Errichtung des Kombinats vollbracht wurden, müssen unerwähnt bleiben. Und trotz all der angeschnittenen historischen, wirtschaftlichen und fachlichen Fragen und angeführten Daten kann und soll dieses Buch keine wissenschaftliche Abhandlung sein, deren Fakten und Zahlen völlig widerspruchsfrei und nachprüfbar sind. Zur Erarbeitung eines solchen Werkes fehlten uns zum einen die entsprechenden finanziellen Voraussetzungen und Zeitressourcen, der Zugang zu wichtigen Archiven und die Bereitschaft einiger der früher maßgeblichen Beteiligten zur Mitarbeit. Manche Kennzahlen waren einfach auch im Fluss oder wurden nie genau erfasst. Zum anderen sind die meisten unserer Mitautoren doch zu sehr Nostalgiker ihres Vorhabens, um objektiv-distanziert urteilen zu können. Wichtiger war uns vielmehr, die jetzt schon immer mehr schwindenden Erinnerungen an dieses ungewöhnliche Bauvorhaben festzuhalten und zu vermitteln und dabei lebendig zu zeigen, dass Eisenerz ein interessanter Stoff ist, der nicht nur zur Eisengewinnung taugt, sondern auf dem sich auch gute Kameradschaft und beständige Freundschaft gründen lassen. Und wichtig ist uns auch, mit diesem Buch unseren früheren ukrai­nischen Kollegen am BAK in Dolinskaja ein Zeichen der Ermutigung für die Fertigstellung ihres Bergbau- und Aufbereitungskombinates zu geben.

Mehr Informationen: www.bakbuch.de

Alle Autoren:
Bernhard Albrecht, Manfred Babilinski, Hans-Werner Becker, Hans Beck, Irina Berndt (früher Tretjak), Klaus Blessing, Regina Böhm (damals Fumfack), Friedrich Böhrs, Wolfgang Bönitz, Frank-Michael Borzutzki, D-ROLF Becker, Jürgen Brendel, Hartmut Dockhorn, Klaus Ehrlich, Dieter Engel, Bernd Goldbach, Manfred Griese, Alexander Jegorowitsch Grizina, Helmut Gündel, Roland Häupel, Heinz Hildebrandt, Peter Hofmann, Erich Höldke, Jens Hussel, Helmut Jentschke, Otmar Jordan, Rolf Junghanns, Gerhard Kasten, Heinz Kinder, Miloslav Klasna, Alexander Iwanowitsch Lasarew, Vladimir Malyi, Holger Milde, Eugen Neuber, Christa Neumann, Marina Noack, Erwin Nolte, Jelena Omorokowa, Rita Österreicher, Ulrich Pflaume, Gerald Reitmeyer, Joachim Rescher, Peter Roloff, Ursula Rosner, Kurt Rudolf, Jürgen Schäfer, Ulrich Schneider, Lorenz Schomerus, Peter Siebler, Heinrich Schubert, Sabine Schubert, Viktor Sorbat, Roswitha Stahr, Alexandera Stanislawska, Helmut Trautrim, Klaus Tiehmer, Werner Wehrstedt, Rolf Wendler, Viktor Zinchenko, Jana und Holger Zschieck

Inhaltsübersicht:


  • Mangelware Eisenerz

  • Abenteuer Auslandsbaustelle

  • Versuch der sozialistischen Wirtschaftsintegration

  • Die DDR-Wirtschaft an ihren Grenzen

  • Im Windschatten der Tschernobyl-Katastrophe

  • Miterlebt: Perestroika - Zerfall der UdSSR - junge Ukraine in der Krise

  • Vom RGW-Mammutprojekt zur Mega-Investruine

  • Freundschaft von oben und unten




Über die Autoren

Heinz Hildebrandt; geboren 1935. Dipl.-Ing. für Bergbau/Tiefbau (Bergakademie Freiberg). Seit 1959 im VEB Schachtbau Nordhausen als Steiger, Betriebsteilleiter und Bereichsleiter für Abteufarbeiten und Horizontalvortriebe. Ab 1965 Produktionsleiter für das Abteufen der Gefrierschächte Zielitz I und II. Ab 1968 technische Vorbereitungen für U-Bahnprojekte und HAN-Leiter auf der Baustelle Pumpspeicherwerk Markersbach. 1971–1975 Leiter der Baustelle "Novo Brdo" in Kosovo/Jugoslawien (Abteufen und Ausrüsten eines Schachtes für das Blei-Zink-Kombinat "TREPCA"). 1976–1985 Produktionsdirektor im VEB Schachtbau Nordhausen. 1985–1990 beim VEB Mansfeld Generallieferant Metallurgie als Baustellendirektor der DDR-Baustelle des Bergbau- und Aufbereitungskombinats Kriwoi Rog, zugleich stellv. Generaldirektor des Mansfeld Kombinats. Ab 1990 im Bereich Marketing/Akquisition der Schachtbau Nordhausen GmbH tätig. Seit 1995 im Ruhestand. Verstorben 2007.

Rolf Junghanns; geboren 1952. Dipl.-Sprachmittler, Dipl.-Technikredakteur (FH). 1985–1989 und 1991–1992 Sprachmittler am BAK. Jetzt technischer Redakteur. Lebt in Karlsruhe.

Gerhard Kasten; geboren 1937. Dipl.-Ökonom. Aug. 1985–Oktober 1989 Stellvertreter des Baustellendirektors für Ökonomie der DDR-Baustelle BAK, anschließend Controller des Bereiches Apparate- und Behälterbau im Eisenhüttenwerk Thale. Jetzt im Ruhestand. Lebt in Bad Suderode.

Friedrich Böhrs; geboren 1936. Dipl.-Ing. für Bergbau (Berakademie Freiberg). Berufsleben in der Kaliindustrie. Am BAK Anfang 1988 bis Dezember 1989 als Abnahmeleiter des GL. Nach der Wende tätig in der Ausländerbehörde Kyffhäuserkreis; als Einkaufs- und Verkaufsleiter für den Arbeitsschutz/Berufsbekleidung in einem Privatunternehmen. Seit 1996 im Ruhestand. Lebt in Sondershausen.