21.06.2015

Medienecho: Life. On Stage – Eine Rezension von Prof. Johannes Junker


 


Rezension, Korrespondenzen April 2014


 


Sandra Anklam, Verena Meyer: Life.On Stage., Handbuch Theatertherapie, Schibri Verlag 2013/14, ISBN 978-3-86863-117-3


Zum Glück ist die Theatertherapie wieder um eine Publikation reicher! Es liegt ein praktisches Arbeitsbuch, das sich durch Literaturverweise auf die bestehende Tradition der Theatertherapie bezieht, im Buchhandel vor. Und dies sogar in deutscher Sprache. Hierin zeigt sich die fruchtbare Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Theatertherapie, die nun schon in einer fast zehnjährigen Tradition TheatertherapeutInnen in Deutschland ausbildet. Die aus dieser Tradition kommenden Autorinnen Verena Meyer und Sandra Anklam greifen einen Teilbereich der jungen Disziplin der Theatertherapie auf, der sich nahe an der Theaterpädagogik bewegt. 


Dieses Handbuch fächert die verschiedenartigsten Seiten eines Theatertherapieprojektes auf: die theoretischen Grundzüge, die Ziele, die persönlichen Kompetenzen der Therapeutinnen, die verschiedenen Phasen eines Projektes, sowie gruppendynamische Aspekte. Diese Vielseitigkeit macht das Buch so lesenswert. Es ist nicht alleine eine Beschreibung von vier sehr interessanten und herausragenden und zum Teil prämierten Projekten, sondern auch deren Einbettung in das Gesamtkonzept der Theatertherapie mit all ihren theoretischen und praktischen Bedingungen. Die schematischen Zusammenfassungen der unterschiedlichen Aspekte macht es auch in seinem theoretischen Teil sehr anschaulich und greifbar, die Autorinnen beschenken die Leser gar mit einem Manual mit Übungen, Interventionen und Methoden am Ende ihres Buches. 


Somit wird der Leser an die Hand genommen, um in einem bunten Streifzug durch die Landschaft der Theatertherapieprojekte zu machen. Dies mit all ihren Klippen und Gefahren, Potentialen, Chancen und Möglichkeiten. Ein Handbuch, das es einem als theatertherapeutischen Leser in den Händen juckt, um es dem gleich zu tun. Gleichzeitig wird auch deutlich welche Kunst und Kunde dahinter steckt, um solche Projekte zu initiieren, zu konzeptionalisieren, konkret zu planen, zu finanzieren, durchzuführen und zu evaluieren. 


Den beiden Autorinnen gelingt es ebenso darzustellen in welchem Verhältnis diese Herangehensweise im Ensemble der theatertherapeutischen und theaterpädagogischen Methoden steht. Sie beschreiben die besondere Art der Außenwirkung dieser Methode sehr anschaulich und deren Wirkungen nach innen im Bezug zu jedem Individuum und der Gruppe. So gehen sie auch auf die Selbstwirksamkeitskräfte individueller und kollektiver Art ein. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer treten jeweils auf die Bühne, lassen sich öffentlich sehen und setzten sich dem kritischen Blick des Publikums aus. In allen vier Fällen werden Sie und damit auch Ihrer Regisseurinnen und gleichzeitig Theatertherapeutinnen sehr zu Recht beklatscht und gefeiert.


Dieses Buch ist eine echte Bereicherung für die Theatertherapie. Der Mut, die Ausdauer, die Kunst und die Kunde der beiden Autorinnen diese Projekt nicht alleine durchzuführen, sondern auch zu verschriftlichen und damit einem größeren Publikum zur Verfügung zu stellen verdient einen weiteren ganz besonderen Applaus.


 


Prof. Johannes Junker


Rektor und Professor an der Hochschule für Kunsttherapie Nürtingen


1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Theatertherapie e.V.