01.10.2015

Medienecho: Kurzrezension zu Theas Stein


„Theas Stein, 10 Kapitel über Familie Jacoby, Eine Familiengeschichte aus der Uckermark“ von Ulrich Kasparick, erschienen im Schibri-Verlag


Der Autor Ulrich Kasparick ist Pastor der Gemeinde Hetzdorf in der Uckermark. Vielen Interessierten ist er noch als Politiker aus der Bundespolitik bekannt, viele kennen und schätzen ihn auch für seinen Internetrosengarten. Mit seinem aktuellen Werk „Theas Stein, 10 Kapitel über Familie Jacoby, Eine Familiengeschichte aus der Uckermark“ führt er die Leser nun zurück in die „Kurmark“ des letzten Jahrhunderts, genauer in sein Pastorat zu Zeiten der Entstehung und der grauenhaften Machtergreifung des Dritten Reiches.


Wir treffen uns mit Ben, der sich auf der Suche nach Ruhe und Zeit ebenfalls nach zum kirchlichen Anwesen des Autors begibt und setzen gemeinsam mit Ben und Kasparick die Reise in Richtung Usedom fort. Schon während wir noch in Hetzdorf verweilen beginnt der Autor uns von der Familie Jacoby aus Hetzdorf zu berichten. Eine Kaufmannsfamilie mit eigenem Acker, Paul Jacoby, seine Frau Erna sowie deren Kinder Ruth, Herbert und Thea. Sie alle sind fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft, Paul ist sogar Schützenkönig, sein Bruder Theodor ist im Krieg gefallen und die gesamte Familie besucht die kirchlichen Gottesdienste – und das trotzdem sie Juden sind. Was anfangs keinen Unterschied macht, entwickelt sich jedoch mit den Jahren ab 1934 Stück für Stück zu einem völligen Ausschluss der Familie aus der Gemeinschaft, deren Flucht nach Berlin und letztlich Deportation und Ermordung in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten.


Durch die aufwändige Recherche und lebendige Erzählweise ermöglicht Kasparick uns nicht nur den Perspektivwechsel in die Rollen der erst so anerkannten und letztlich verfolgten und geächteten Mitglieder der Familie Jacoby. Darüber hinaus gibt es uns auch einen guten Einblick in die Reaktion der Gesellschaft „um die Jacobys herum“. Da sind die Judenhasser, die sich vor der Machtergreifung der Nazis nur nicht trauten ihre Meinung zu sagen, da sind die, die nur einschreiten, wenn ihr eigenes Hab und Gut auch Gefahr zu laufen droht und dann sind die von der Zahl her sehr wenigen, die tatsächlich auch Nachteile für sich selbst in Kauf nehmen, um der Familie Jacoby zu helfen, wie der Pastor Hans Müller oder Vater Schulz.


Mit „Theas Stein“ begibt sich Kasparick mit seinem Gast Ben und uns zu einem guten Glas Wein auf die Insel Usedom, aber nicht nur um uns die Chronik einer Familie vorzustellen, sondern um bei uns etwas anzuregen. Es geht darum sich von den letzten Lebenden der Zeit des Nationalsozialismus nicht mehr nur mit einem „wir haben doch davon nichts gewusst“ abspeisen zu lassen sondern nachzufragen, zu recherchieren und im Dialog mit dieser Generation zu ergründen, weshalb und wie sich diese Vorkriegs- und Kriegsgeneration so verhalten hat wie sie es tat. Letztlich um für die eigene Familie einen Frieden zu erschaffen, der der Familie Jacoby leider nicht vergönnt war. Der Pastor Müller wäre sicher stolz auf seinen Nachfolger. 



Daniel Behrendt im September 2015


Landesbeauftrager für Prävention in Brandenburg