Stadtforschung + Statistik - Ausgabe 2/2020

Mobilität und Verkehr
Stadtforschung + Statistik - Ausgabe 2/2020
8,50 € *

inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 1-3 Werktage

  • 100 Seiten
  • 2020
Eine große kommunale Herausforderung besteht darin, den zunehmenden Verkehr in den Städten zu... mehr

Eine große kommunale Herausforderung besteht darin, den zunehmenden Verkehr in den Städten zu steuern, ihn in verträgliche Bahnen zu lenken und mit zielgerichteten Angeboten auf das gestiegene Mobilitätsverhalten der Bürgerinnen und Bürger zu reagieren. Zwar hat die anhaltende Corona-Pandemie zu einem zwischenzeitlichen Rückgang der Mobilität geführt, doch bereits jetzt mehren sich die Anzeichen dafür, dass dem seit geraumer Zeit zu beobachtenden Veränderungsprozess nur kurzfristig Einhalt geboten wurde. Scheinbar unaufhaltsam spießen neue Sharing-Modelle aus dem Boden und ergänzen die bestehende städtische Infrastruktur (u. a. Leihautos und –fahrräder) nun um Elektroroller oder E-Scooter. Hinzu kommt die zunehmende Verbreitung des Elektrofahrrads. So manche zuvor mit dem Auto oder dem ÖPNV bewältigte Wegstrecke wird heute wieder mit dem Velo und an der frischen Luft zurückgelegt.
Dabei sind nicht nur der Verkehr und die Mobilität selbst, sondern auch die Welt der dazugehörigen Daten einem starken Wandel unterworfen. Dies wird etwa bei der Verwendung von Mobilfunkdaten zur Analyse von Mobilitäts- und Pendleranalysen deutlich, wie wir sie in der vergangenen Ausgabe von Stadtforschung und Statistik bereits kennengelernt haben. Und genau hier knüpft der Schwerpunkt des vorliegenden Hefts an.
Im ersten Teil liegt das Augenmerk auf der Vorhaltung von Verkehrsunfalldaten und deren Auswertung. Der zweite Teil befasst sich mit innovativen Fallbeispielen, welche den zu beobachtenden Wandel in der Welt der Verkehrsdaten explizit aufgreifen. Zuletzt wendet sich der Schwerpunkt ausgewählten methodischen Aspekten der Verkehrsbetrachtung zu.
Der aktualisierte Unfallatlas der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder bietet nicht nur die Möglichkeit, Unfälle mit Personenschäden koordinatenscharf zu erkunden, die georeferenziere Datenbasis stellt auch eine Antwort auf mögliche Unfallursachen in Aussicht (Hannes Hagedorn, Hanna Hoffmann). Einen Schritt weiter geht die Analyse von Verkehrsunfalldaten aus Niedersachsen. Die von den Autoren vorgenommene Untersuchung basiert räumlich auf den Wohnorten der Unfallopfer, und nicht wie sonst üblich auf den Unfallorten. Für die Erkundung verschiedener Faktoren, die Verkehrsunfälle beeinflussen, bietet eine solche Datengrundlage ganz neue Möglichkeiten (Inga Faller, Joachim Schreiner). Dass diejenigen, die zu Fuß in den Städten unterwegs sind, einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, zeigt die Analyse von Jörg Ortlepp. Dabei liegt die Ursache häufig nicht nur an dem falschen Verhalten der Verkehrsbeteiligten. Nicht selten zeichnen sich auch infrastrukturelle Defizite verantwortlich. Forderungen zur Schaffung einer komfortableren Fußverkehrsinfrastruktur liegen hier auf der Hand.
Eine neue Verkehrsdatenquelle stellt das Fallbeispiel der Raddauerzählstellen in München dar. Die hierbei gewonnenen Daten ermöglichen umfangreiche Auswertungen, Zeitreihen und Vergleiche zum Radverkehr. In Kombination mit Wetterdaten lassen sich dabei beachtliche Erkenntnisse gewinnen (Ulrike Teubner, Monika Wreszinski, Silke Joebges). Dies trifft auch auf die Erschließung von Crowd Data und deren Verknüpfung mit Befragungsdaten zu (Sebastian Bauer). Wertvolle Erkenntnisse stellt auch die Nutzungsanalyse des Bike-Sharing-Angebots in Stuttgart in Aussicht (Fabian Schütt). Schließlich beschreiben Erreichbarkeitsanalysen bestimmter Orte und Einrichtungen eine wichtige Grundlage für die Kommunalplanung. Franziska Fritz verdeutlicht dies anhand der Erreichbarkeit der ÖPNV-Haltestellen in Düsseldorf.
Der methodische Beitrag von Christian Holz-Rau, Karsten Zimmermann und Robert Follmer zeigt schließlich auf, dass der häufig als Erfolgsmaßstab herangezogene relative Modal Split zu deutlichen Fehleinschätzungen der tatsächlichen Verkehrsentwicklung verleiten kann. Der hier angestoßene Gedankengang mag für die Leserin und den Leser ebenso befruchtend wirken, wie die Ausführungen zur Systematik der Aufbereitung und Auswertung der Fahrzeugregister der Kraftfahrzeug-Zulassungsbehörden (Uwe Dreizler). In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine angenehme Lektüre.

Dr. Till Heinsohn

Zuletzt angesehen