13.05.2011

Medienecho: Rezension zu "Petermännken in der Märkischen Allgemeinen


Am 13.05.2011 erschien in der Märkischen Allgemeinen folgender Artikel von Dr. Wolfram Hennies.



– Paul F. Duwe las im Perleberger DDR-Geschichtsmuseum aus seinem Buch „Petermännken“ –


PERLEBERG - Wer Uwe Johnsons „Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953“ kennt, wird beim Lesen von Paul F. Duwes „Petermännken“ sogleich an dieses Werk erinnert, das wie eine Fortsetzung anmutet. Der Autor las am Dienstag im Perleberger DDR-Geschichtsmuseum aus seinem Buch, dessen Handlung in das Jahr 1968 und in eine mecklenburgische Kleinstadt zurückführt: Eine Schülerin fordert in einer Diskussion freien Rundfunkempfang – es geht um Rockmusik. Damals mochte man meinen, ein Gefühl von Freiheit liegt in der Luft, denn es war die Zeit des Prager Frühlings. Doch in der DDR herrschte Winter. Das Mädchen wird für ihre offenen Worte bestraft. Als ihr ein Mitschüler via Radio Luxemburg unter dem Tarnnamen „Petermännken“ (bekannter Schweriner Schlossgeist) Mut macht, machen Schuldirektor und MfS mobil. Über die Stadt breitet sich ein unsichtbares Netz von stillschweigender Sympathie, hilfloser Passivität und Angst aus.


Der autobiografisch eingefärbte Roman fängt nachvollziehbar die Stimmung des hoffnungsfrohen Sommers ein, der in einen tristen Herbst führt. Allein schon lange Haare und das Hören von Beatmusik reichten aus, um verdächtigt und schließlich verhaftet zu werden, so wie es einem Protagonisten im Buch ergeht.


Paul F. Duwe wurde 1953 in Lübz geboren. 1969 ging er zur Berufsausbildung zum Elektromonteur mit Abitur ins Gaskombinat Schwarze Pumpe in die Lausitz. Nach dem Freikauf des Vaters aus politischer Haft durch die Bundesregierung siedelte die Familie 1971 nach Neumünster über. 1972 zog der Autor nach West-Berlin, wo er an der Freien Universität Publizistik, Germanistik und Ostasienwissenschaften studierte. Ab 1979 war Paul F. Duwe als Zeitungsredakteur tätig. Seit 1986 lebt er als freier Journalist in Berlin.


„Ich wollte in dem Buch festhalten, was mich auf meinen Weg geführt hat, wie die Jugendjahre in der DDR mich geprägt haben“, bekannte Duwe. „Deshalb habe ich Stimmungsbilder und Erlebnisse aus einem Land aufgeschrieben, das es nicht mehr gibt.“ Im Buch finden sich mehrere Naturschilderungen, nach deren Funktion der Autor befragt wurde: „Ich bin damals oft in die Natur gegangen, um dem Druck zu entgehen. In der Natur gab es Freiheit. Es war für mich ein Synonym für Unbeschwertheit.“ Neben fiktionalen Erzählsträngen schildert Duwe viele Dinge, die wirklich passiert sind. Das spürt jeder, der die DDR miterlebt hat und das Geschilderte mit eigenen Erinnerungen vergleicht. Duwes abschließende Worte an das Publikum, das sich mit herzlichem Beifall für die Lesung und lange Diskussion bedankte: „Es gab viel erzwungene Anpassung und leisen Widerstand, wie das Abhören von westlichen Musiksendern.“


Und es gab in der DDR viele Dinge, die man nicht verstehen konnte. Mir ist es wichtig, die Erinnerung an diese Zeit wach zu halten. Wir müssen den Jugendlichen sagen, was wir erlebt haben, dass sie Wertvorstellungen entwickeln und damit wir anständig miteinander leben können. Heute besteht für jeden die Möglichkeit, seine freie Meinung zu äußern. Mir ist es wichtig, dass dies so bleibt. Wir dürfen nicht vergessen, dass es solche Zeiten gegeben hat, wo man für eine andere Meinung inhaftiert wurde. Wir alle müssen dafür arbeiten, dass solche Zeit nie wiederkommt.“



 


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