Stadtforschung + Statistik - Ausgabe 2/2019

Migration – Flucht – Integration
Stadtforschung + Statistik - Ausgabe 2/2019
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  • 112 Seiten
  • 2019
Laut Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen waren im vergangenen Jahr über 70 Millionen... mehr

Laut Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen waren im vergangenen Jahr über 70 Millionen Menschen auf der Flucht; etwa die Hälfte von ihnen innerhalb ihrer Herkunftsstaaten. Dies ist die höchste Zahl seit dem 2. Weltkrieg. Die ungewohnt starke Zuwanderung des Jahres 2015 nach Europa und vor allem Deutschland beruht weitgehend auf Fluchtmigration. Nur vor dem Hintergrund der vorherigen Nichtbeachtung der Entwicklungen in den Krisengebieten vor den Toren Europas kamen die Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten Afghanistans, Iraks und Syriens unerwartet. Sie trafen auf eine unvorbereitete Gesellschaft und unvorbereitete Verwaltungen. Stadtforschung und Statistik hat diese Problematik als Themenschwerpunkt aufgegriffen, weil sie in Städten und Kommunen eine besondere Bedeutung hat.
Die schnelle Befassung der Städtestatistik mit der Fluchtmigration spiegelte sich bereits 2016 in der Schwerpunktsetzung der Frühjahrstagung in Kassel sowie im Programm des VDSt für die Statistische Woche in Augsburg wider. 2018 griff der Verband die Thematik auf der Statistischen Woche in Linz erneut auf. Veröffentlicht wurde von der Vielzahl der Vorträge beider Tagungen bisher nur der Beitrag von Matthias Schulze-Böing über das Offenbacher Konzept einer kommunalen Integrationspolitik (Stadtforschung und Statistik 2/2018).
Der aktuelle Themenschwerpunkt versammelt bisher unveröffentlichte Beiträge der Statistischen Wochen in Augsburg und Linz, die von den Autor*innen aktualisiert bzw. weiterentwickelt wurden, und weitere neue Forschungsbefunde. Die Texte widmen sich sowohl theoretischen Diskussionen als auch dem empirisch beschreibbaren Alltag von Migration, Flucht und Integration in Deutschland. Neben einem überblicksartigen Vergleich der Verteilung von Menschen verschiedener Nationalitäten in deutschen Großstädten stellen vor allem Kolleg*innen aus verschiedenen Städten ihre nur vor Ort zu gewinnenden Einblicke hinsichtlich Verteilung der Geflüchteten im Stadtgebiet, ihren Umzügen und Wanderungen oder verschiedenen Integrationsaspekten vor.
Speziell widmen sich zwei Beiträge der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. Diese ist von besonderem Interesse, da Zukunftsszenarien der Ökonomie seit langem darauf hinweisen, dass für den Arbeitsmarkt eine erhöhte Zuwanderung notwendig ist, um den Fachkräftebedarf und die wirtschaftliche Nachfrage in Deutschland auch zukünftig zu decken.
Zwei weitere Berichte aus qualitativ arbeitenden Forschungsprojekten widmen sich den Unterstützungsnetzwerken für, mit und von Geflüchteten, ihren Erfolgen und Misserfolgen, ihren blinden Flecken und ihrer Tragfähigkeit für die kommenden Monate und Jahre.
Gerahmt wird der Themenschwerpunkt zum einen von Überlegungen, dass erfolgreiche Integration Geflüchteter sich in der Vergangenheit als generationenübergreifender Prozess dargestellt hat. Diese Perspektive erscheint für unsere eher kurzfristigen Vergleiche von Segregations- und Verteilungsmaßen bedeutsam. Zum anderen erinnert der letzte Beitrag daran, dass die von uns mit mehrheitlich statistischen Methoden der Stadtforschung analysierten Entwicklungen der räumlichen Verteilung vor dem Hintergrund der Biographien einer vielfach dramatischen und langwierigen Flucht zu sehen sind, die in unsere Wertungen von Integrationsbefunden und Integrationsfortschritten einfließen müssen.
Die diesjährige Biennale in Venedig hat sich als Titel gewählt: May You Live in Interesting Times. Alle Beiträge dieses Heftes zeigen zumindest, dass wir in sehr bewegten Zeiten leben. Insofern wünschen wir allen Leser*innen neben Neugier auf die berichteten Fakten aus der realen Welt von Migration und Integration in deutschen Städten eine anregende Lektüre und bestenfalls auch die eine oder andere neue Idee für den eigenen beruflichen oder privaten multinationalen Alltag.

Hermann Breuer und Gabriele Sturm

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